Rolle der Melisse in der Medizin

Die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sieht den Einsatz von Extrakten aus Melissenblättern bei der Behandlung nervös bedingter Einschlafstörungen und funktioneller Magen-Darm-Beschwerden vor. Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) empfiehlt darüber hinaus den Einsatz von Melisse zur innerlichen Anwendung bei Nervosität, Rastlosigkeit und Erregbarkeit sowie zur symptomatischen Behandlung von Verdauungsstörungen wie leichten Krämpfen. Bei „Herpes labiales” (Lippenherpes) empfiehlt ESCOP die äußere Anwendung.

Die entsprechenden Inhaltsstoffe befinden sich in den Blättern der Pflanze bzw. in den aus diesen via Wasserdampfdestillation gewonnenen ätherischen Ölen (Melissenöl). Der medizinische Fachbegriff für Melissenblätter lautet Melissae folium, für Melissenöl Melissae aetheroleum.

Das Europäische Arzneibuch (PhEur) legt Regeln für die Qualität der Melissenblätter fest. Entsprechende Bestimmungen hinsichtlich der Qualität des Melissenöls beinhaltet das Deutsche Arzneibuch (DAB 6).

In Melissenblättern befinden sich die ätherischen Öle Citral und Citronellal. Darüber hinaus zählen die Lamiaceengerbstoffe, vor allem Rosmarinsäure, zu den wichtigen Inhaltsstoffen in den Melissenblättern.

Des Weiteren enthalten sie Eugenol und Flavonoide. Welchen Anteil die einzelnen Inhaltsstoffe haben, hängt von der Herkunft, den Klimabedingungen, dem Erntezeitpunkt und dem Alter der Pflanze ab.

Neben ihrer medizinischen Verwendung kommt die Melisse aber auch in der Küche zum Einsatz. So dienen die Blätter als Gewürz, während Extrakte aus den Blättern zu Kräuterlikören verarbeitet werden. Daneben aromatisiert man kalte Getränke, Salate, Saucen und Kompotte mit Melisse. Selbst Tee und Wein kann man aus ihr herstellen. Schlussendlich dient die Melisse auch heute noch als Bienenweide.